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Liebe Freundinnen und Freunde von Schwarze Risse, verehrte Kundschaft,
auch wir sind, wie viele andere linke Buchhandlungen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft angewiesen, vor allen Dingen in diesem, im Hinblick auf unseren notwendigen Umsatz, unbefriedigenden Jahr.
Wir möchten euch also ermuntern, auch eure Weihnachtsgeschenke und Feiertagslektüre vielleicht noch gezielter über uns zu besorgen. Neben unserer großen Auswahl an vorrätigen Büchern, können wir natürlich alle Titel besorgen (in der Regel innerhalb eines Tages) Bildbände, Kinderbücher, Schmöker, Krimis, Belletristik, Fachbücher – eben alles, was ihr haben wollt. Wir können euch die Bücher auch zusenden, die genaueren Informationen dazu und mehr zu uns, könnt ihr unter www.schwarzerisse.de erfahren. Auf dieser Seite könnt ihr unter buchhandel.de selbst bibliographieren, uns die genauen Titelangaben e-mailen und wir teilen euch mit, ob das Buch voraussichtlich lieferbar ist und bis wann es bei uns/euch sein wird.
Besonders hinweisen möchten wir euch auf folgende Bücher:
Die bemerkenswerteste Neuerscheinung aus dem mit uns verbundenen Verlag Assoziation A ist sicherlich der Roman Unbequeme Tote von Subcommandante Marcos und Paco Ignacio Taibo II. In einem einzigartigen literarischen Experiment haben der wortgewandte Sprecher der zapatistischen Guerilla und der bekannteste Krimischriftsteller Mexikos vierhändig diesen Roman verfasst, der zuerst in wöchentlichen Vorabdrucken in der größten linken Tageszeitung Mexikos erschien.
Alles in allem (...) ein wirklich gelungenes literarisches Experiment, ein spannender und witziger Thriller und zugleich die charmanteste Art politischer Propaganda, die dem Rezensenten seit langem begegnet ist. Hartmut Schwarz (Deutschlandfunk)
Verlag Assoziation-A 239 S., 16,80 Euro

– Mike Davis, bekannt als Autor von City of Quartz, Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles, dem Klassiker zu stadtsoziologischen Fragen und zuletzt hochgelobt für seine Arbeit Die Geburt der Dritten Welt, Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialis-tischen Zeitalter, hat vor einigen Monaten – bevor das Thema hier aktuell wurde – ein Buch zur Vogelgrippe geschrieben, das vor kurzem ebenfalls bei Assoziation A erschienen ist. Darin hebt er neben grundsätzlichen Informationen vor allem hervor, mit welchen ver-heerenden Auswirkungen für die Armutsbevölkerungen der »3. Welt« zu rechnen wäre, wenn wie vorauszusehen, sich das Virus in naher Zukunft nicht nur auf den Menschen, sondern von Mensch zu Mensch übertragen würde.
Verlag Assoziation-A, 14,00 Euro.
– Wie schwer fällt es in der Regel einen wirklich lustigen Roman zu empfehlen. Raul Zelik hat es mit Berliner Verhältnisse geschafft einen umwerfend komischen Roman zu schreiben. Vor allem die Dialoge in diesem Roman, in dem es um eine Kreuzberger WG, um Liebe und Anarchie, um Glück und das schnelle Geld geht, sind sehr erheiternd.
Zelik, Berliner Verhältnisse, Blumenbar 18 Euro
– Dann machen wir`s uns eben selber sagen sich zwei junge Kreuzbergerinnen, die die Berliner Klimaverhältnisse im Winter 1986/87 und das Leben als alleinerziehende Sozial-hilfeempfängerinnen gar nicht mehr witzig finden. Sie inszenieren einen Versicherungsbetrug, um sich einen Mallorca-Urlaub zu finanzieren. Leider ist Mallorca im Winter noch trübsinniger als Berlin. Aber sie schaffen es trotzdem, sich zu amüsieren. Ein kluger und lustiger kleiner Roman aus der Zeit kurz vor der legendären Bolle-Plünderung, AIDS und der Maueröffnung. Von der Klassikerin der Lesebühnen Sarah Schmidt.
Verbrecher Verlag 13 Euro
– Eva Haule war in den 80er Jahren Mitglied der RAF und wurde nach ihrer Verhaftung 1986 zu »lebenslänglich« verurteilt. Der Gefängnisalltag, schreibt sie, »reduziert den Blick, stumpft ihn ab, verödet die Sinne. Das Fotografieren macht den Blick wieder auf.« Jetzt ist ein sehr schöner Band mit Porträts gefangener Frauen, die sie im Frauengefängnis Preungesheim kennen gelernt hat, erschienen. »Die Frauen wissen von mir, dass ich sie mit Achtung anschaue und so fotografiere; und dass ich sie schön finde. Nur so konnten diese Bilder entstehen.«
AG SPAK 19,- Euro.
– Es ist schon äußerst schwierig – lieferbare – Literatur zur Staatsgründung Israels auf Deutsch zu empfehlen. Mit der Vorgeschichte, der Situation in Palästina vor 1949 ist es fast hoffnungslos. Tom Segev hat mit Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels ein materialreiches und spannendes, analytisch brilliantes Standardwerk geschrieben, das jetzt übersetzt vorliegt. Wer sich genauer mit der Vorgeschichte des Konfliktes im Nahen Osten auseinandersetzen will, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Siedler Verlag 28,- Euro
– Orhan Pamuk, zurecht hochgelobter türkischer Romanautor, in der Türkei unter anderem für seine Thematisierung des Völkermords an den Armeniern angegriffen, hat mit Schnee eine wirklich klugen und spannenden Roman über die Auseinandersetzung mit dem Islam in der Türkei geschrieben.
Hanser Verlag 25,90 Euro.
– In Saturday von Ian McEwan gerät die Welt des erfolgreichen Neurochirurgen Henry Perowne am 15. Februar 2003, dem Zeitpunkt der riesigen Demonstration gegen den Irak-Krieg unter britischer Beteiligung in London aus den Fugen.
Diogenes 19,90 Euro.
– Der Roman der Zagreber Autorin Dubravka Ugresic ist nach einem Amsterdamer Fachgeschäft für S/M-Bedarf benannt: Das Ministerium der Schmerzen. Eine Gruppe junger ExilantInnen aus Jugoslawien findet sich in einem Universitätskurs über jugoslawische Literatur zusammen. Anstatt sich mit Literaturgeschichte zu befassen, sammeln sie Erinnerungen an den Alltag in dem verschwundenen Land »Juga«. Bald wird die rot-weiß-blau karierte Plastiktasche, »eine Parodie auf die jugoslawische Fahne ohne den roten Stern«, zum Symbol für diesen banalen Erinnerungsschatz, den sie aus Juga mitnehmen konnten. Doch diese Plastiktaschen sind nicht sehr stabil. Die Traumata von Krieg und Flucht halten sie nicht aus.
Berlin Verlag, 19.90 Euro
– In A. L. Kennedys neuem Roman Paradies berichtet die Trinkerin Hannah Luckraft aus ihrem Leben zwischen Delirium und Entzug, immer auf der Suche nach dem »idealen Grad der Trunkenheit«. Da heißt nicht, dass sie sonst keine Probleme hätte (»Wenn ich ein Bedürfnis habe, das nichts mit Durst zu tun hat, weiß ich nie, wie ich es stillen kann.«) und auch die Liebe macht die Trunksucht nicht leichter (»Immer ist einer nicht richtig betrunken.«). Paradies wirkt wie Hannahs Lieblingsmuntermacher Milch + Cointreau: »Die erste Dosis ist leicht schockierend – aber um den nächsten zu kriegen, würde man über Neugeborene trampeln.« Als Taschenbuch neu erschienen und ebenso empfehlenswert ist von A.L. Kennedy der Roman Also bin ich froh.
A.L. Kennedy: Paradies, Wagenbach 22,50 Euro
Dies.: Also bin ich froh, Fischer 9,95 Euro
– Dietmar Dath, hauptberuflich damit befasst, der FAZ-Leserschaft den Klassenkampf nahe zu bringen, untersucht in seinem Buch Die salzweißen Augen. Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit die Ästhetik und die Rolle des Abscheulichen in der populären Kultur. Es geht in dieser originellen Mischung aus Essay und Roman um eine obsessive Jugendliebe, Zombiefilme, Heavy Metal, Pornographie, Literatur des Kalibers American Psycho und die These, dass die Gewaltdarstellungskultur, gerade dort, wo sie aufhört harmlos zu sein, ein Erbe der Aufklärung nach deren politischer Niederlage antritt.
Dietmar Dath: Die salzweißen Augen, Suhrkamp 19,80 Euro
– In der Regel trug Denis Diderot, der Lieblingsschriftsteller von Karl Marx (und auch von mir, Heike) zum großen Projekt der Aufklärung bei. Mit der Intrige, die er im Jahr 1760 ausgesponnen hatte, stiftete er allerdings eher Verwirrung. Es ging dabei darum, den Marquis de Croismare, der sich in die Provinz zurückgezogen hatte und von seinen Pariser Freundinnen und Freunden schmerzlich vermisst wurde, zurück nach Paris zu locken. Die Freunde spekulierten auf das mitfühlende Herz und den aufgeklärten Geist des Marquis und erfanden eine junge Nonne, die aus dem Kloster, in das sie ihre Familie gezwungen hatte, geflohen war. In ihrem Namen schrieb Diderot, Briefe an den Marquis, um von ihm Hilfe und Schutz vor den Verfolgungen durch Familie und Klerus zu erbeten. Dieser ließ sich anrühren und trat in einen Briefwechsel mit der fiktiven Nonne. Zwar klärten die Pariser Freunde den Marquis irgendwann über ihre Intrige auf, Diderot aber ließ seine Nonne noch in einem letzten Brief
ihre gesamte Lebensgeschichte niederschreiben. Dieser Brief ist als der Roman Die Nonne veröffentlicht worden, ein überaus unterhaltsames Plädoyer gegen das klerikale System und das, was man heute innerfamiliäre Gewalt nennen würde, und für ein freies, selbstbestimmtes Leben.
– Ganz im Geiste Diderots spielt Monika Pelz in ihrem Jugendbuch Die Verschwörung der Dichter mit historischer Realität und Fiktion. Sie erzählt diese wahre Begebenheit und erfindet Marguerite hinzu, ein armes Mädchen vom Land, das eines Tages in den Pariser Salons auftaucht und von allen für die entflohene Nonne gehalten wird. Diderot und seine FreundInnen sind, wie man sich gut vorstellen kann, höchst verwirrt, als ihnen das Geschöpf ihrer Phantasie leibhaftig gegenübersteht. Irgendwer muss eine noch viel raffiniertere Intrige gesponnen haben, als sie selber…
Ein spannender Jugendroman über Phantasie und Vernunft, über die Freiheit der Stadt und der Liebe und über die Gleichheit – auch der Frauen. Ein Buch, wie es gewiss Diderot selbst gerne seiner Tochter Angélique gegeben hätte.
Monika Pelz: Die Verschwörung der Dichter, Jungbrunnen 16,80 Euro
Denis Diderot: Die Nonne, Insel 10 Euro
– Um Aufklärung geht es bekanntlich auch im Krimi. Das bei Ariadne erschienene Debut Operation B der Schwedin Gabriella Hakansson handelt allerdings nicht von aufkläre-rischer Zuversicht und Vernunft, sondern von den abgrundtiefschwarzen Schatten-seiten des Bestrebens, die Welt mit wissenschaftlichen Methoden zu ermitteln und zu gestalten. Die Ich-Erzählerin beobachtet in einer empirischen Langzeitstudie im Auftrag einer klandestin operierenden wissenschaftlichen Organisation das Alltagsverhalten ihres Ehemannes. Im Laufe der Jahre entwickelt sie immer stärkere Abscheu vor ihrem Studienobjekt, insbesondere vor dessen Schamhaaren, die in der ganzen Wohnung verteilt sind. Eines Tages schießt sie dem Gatten ein Loch in den Kopf. Motiv: Ekel. »Unzufrieden betrachtete ich die Leiche und dachte, dass meine Monatsblutungen bedeutend stärker gewesen waren – und vermutlich auch schmerzhafter.« Nachdem die Studie nun nicht mehr planmäßig zu Ende geführt werden kann, wird es kompliziert
. Wer hat eigentlich wen beobachtet? Und wer ist diese dubiose Organisation? Was verbirgt sich hinter dem Arbeitstitel »Operation B«. Die meisterliche Sublimation einer ausgewachsenen Paranoia.
Gabriella Hakansson: Operation B, Argument 9,90 Euro
– Nicht mehr der schwarzen, sondern eher schon der Gegenaufklärung zuzurechnen ist die Geheimorganisation, die in Wladimir Sorokins Splatter-Roman Ljod: Das Eis ihr Unwesen treibt. Und das ist alles andere als heiter und vernünftig, sondern ganz schön brutal und irre. Die Sekte hängt einem obskuren Manichäismus an, wonach einige Lichtwesen mit sprechenden Herzen in menschlichen Körpern verborgen sind. Um ihresgleichen unter den Menschen zu entdecken, schlagen sie mit einem Eishammer die Brust ihrer Opfer ein. Entweder sterben diese dabei einen qualvollen Tod, oder aber ihr Herz beginnt zu sprechen. Sorokin hat eine Art Geschichte der Sowjetunion vom Überfall der Deutschen bis in die kapitalistische Gegenwart geschrieben. Dazu gehört der sehr bewegende Bericht der jungen Warja von ihrer Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Deutschland. Der Roman geleitet uns aber auch in die Keller des KGB, in muffige Plattenbauwohnungen, in denen faschistische Bodybuilder ihre antisemitischen
Weltverschwörungen darlegen, Swingerparties veranstaltet werden, Prostituierte ihren tristen Feierabend verbringen und in die klinisch-sterile Welt des kapitalistischen Alptraums.
Waldimir Sorokin: Ljod: Das Eis, BVT 9,90 Euro

Das zweite Buch des 28-jährigen US-amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah ist eine Art Familienroman. Im Mittelpunkt steht ein neunjähriger Junge, der sich auf die Suche nach Spuren seines Vaters begibt. Dieser ist bei den Anschlägen vom 11.09.01 im World Trade Center ums Leben gekommenen. Ein Buch über Verlust, Tod, Sprachlosigkeit und Schmerz, das nie zu rührig oder kitschig wird. Es steckt voller kluger, verspielter Ideen, die sich auch in der Gestaltung niederschlagen.
Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah, Kiepenheuer & Witsch 22,90 Euro
Mit Späte Familie vollendet die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev nach Liebesleben und Mann und Frau ihre Trilogie über die moderne Liebe. Die Protagonistin trennt sich von ihrem Ehemann und Vater des gemeinsamen Sohnes. Der anfänglichen Euphorie der Befreiung folgt eine existentielle Krise. Doch sie verliebt sich neu und gründet eine „späte Familie“. In diesem Buch geht es um Familie und die Schwierigkeiten mit ihr und in ihr. Diese werden anhand der verschiedenen Rollen der Heldin als Tochter, Ehefrau, Mutter, Exfrau, neue Frau, Schwiegermutter beschrieben und das ganze in einer faszinierenden Sprache. Die Sätze erstrecken sich häufig über eine Seite und gestalten einen Rhytmus, dem man sich kaum entziehen kann.
Zeruya Shalev: Späte Familie, Berlin Verlag, 22,90 Euro
Uwe Timm und Benno Ohnesorg lernten sich in den frühen sechziger Jahren kennen, als sie auf einem Kolleg ihr Abitur nachholten. In Der Freund und der Fremde erzählt Timm ihre gemeinsame Geschichte und versucht eine Annäherung an den damaligen Gefährten. Es geht um den Aufbruch aus der Provinz, um die Flucht aus der kleinbürgerlichen Welt, um Bildung, Literatur, Sprache, Camus, Politik, das Leben in den sechzigern und vieles mehr. Timm beschreibt dadurch auch seinen Weg vom Kürschner zum Schriftsteller. Das gelingt ihm mit großem Einfühlungsvermögen, aber ohne sentimental zu werden.
Uwe Timm: Der Freund und der Fremde, Kiepenheuer & Witsch, 16,90 Euro
Kreuzberg: Mehringhof, Gneisenaustr. 2a | Mo. – Fr.: 10.00 – 18.30 | Sa.: 11.00 – 14.00
Prenzlauer Berg:Kastranienallee 85 | Mo. – Fr.: 11.00 – 19.00 | Sa.:11.30 – 15.30
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